European NASDAQ in Berlin: Berlin zur EU Inc-Hauptstadt und zum Zentrum einer neuen europäischen Tech-Börse entwickeln
A. Forderungen an die Europäische Union
Auf europäischer Ebene fordert die FDP folgende Punkte umzusetzen:
- Beschleunigte Einführung der EU Inc als standardisierte europäische Rechtsform mit vollständig digitaler Gründungsmöglichkeit innerhalb von 48 Stunden.
- Vollendung der Kapitalmarktunion durch echtes Passporting: Harmonisierung und Vereinfachung des Zulassungsverfahrens für Wertpapiere, um grenzüberschreitende Zweitlistings innerhalb der EU bürokriefrei zu stellen.
- Rechtliche Gleichstellung digitaler Wertpapiere: Wertpapiere auf Distributed-Ledger-Basis (Blockchain) sind regulatorisch im Rahmen des Prinzips der Technologioneutralität klassischen Urkunden vollständig gleichzustellen.
- Abschaffung der Quellensteuer-Fragmentierung: Einführung einer einheitlichen Quellensteuer von 0 % auf Dividenden und Veräußerungsgewinne bei grenzüberschreitenden Investments innerhalb der EU; ersatzweise ein vollautomatisiertes Erstattungsverfahren innerhalb von 30 Tagen.
- Harmonisierung von Mindeststandards im Insolvenzrecht: EU-weite Förderung von Modellen zur schnellen Restschuldbefreiung nach angelsächsischem Vorbild, um eine Kultur der zweiten Chance zu etablieren.
- Regulatorische Erleichterungen für private Börseninfrastrukturen: Abbau von Marktzutrittsbarrieren für innovative, technologiebasierte Handelsplattformen (z.B. durch KMU-Wachstumsmärkte-Erleichterungen).
B. Forderungen an den Bund
Auf Bundesebene fordert die FDP folgende Punkte umzusetzen:
- Nationale Umsetzung der EU Inc ohne Gold Plating: Einrichtung eines digitalen, rechtssicheren EU Inc-Registers mit Bundessitz in Berlin.
- Digitalisierung der Prospektprüfung: Einführung einer digitalen Stichtags- und Genehmigungsfiktion für standardisierte Wertpapierprospekte bei der BaFin; Erhöhung der Prospektpflichtgrenze für Emissionen auf das europarechtlich maximal zulässige Maß (20 Mio. Euro).
- Steuerfreiheit für produktive Reinvestition (Rollover-Modell): Veräußerungsgewinne aus Unternehmensverkäufen oder Börsenexits werden steuerfrei gestellt, wenn diese innerhalb von 12 Monaten in börsennotierte EU-Wachstumsunternehmen oder EU Incs reinvestiert werden.
- Satzungsautonomie bei Aktienstrukturen: Dauerhafte gesetzliche Absicherung von Mehrstimmrechtsaktien (Dual-Class-Shares) ohne künstliche Befristungen, um Gründern den Börsengang ohne Kontrollverlust zu ermöglichen.
- Mobilisierung von Institutionellem Kapital: Absenkung der risikobasierten Eigenkapitalanforderungen (Solvency II) für Investitionen von Versicherungen und Pensionskassen in Venture Capital und europäische Tech-Wachstumsmärkte.
- Modernisierung des Sanierungs- und Insolvenzrechts: Schaffung von rechtssicheren „Safe Harbor“-Regelungen für Geschäftsführer während nachweisbarer, digital dokumentierter Sanierungsbemühungen, um unverschuldete Kriminalisierung bei Insolvenzverfahren zu verhindern.
- Fast-Track-Lizenzierung durch die BaFin: Einführung verbindlicher Bearbeitungsfristen (maximal 90 Tage) für Zulassungsverfahren technologiebasierter Handelsplattformen durch risikobasierte statt rein formaler Prüfprozesse.
C. Forderungen an das Land Berlin
Auf Landesebene fordert die FDP folgende Punkte umzusetzen:
- Bundesratsinitiative „EU Inc-Register Berlin“: Das Land Berlin setzt sich im Bundesrat dafür ein, dass das zentrale deutsche EU Inc-Register in der Bundeshauptstadt angesiedelt wird.
- Einrichtung der „Berlin EU Inc Fast Lane“: Schaffung eines digitalen One-Stop-Shops, der die rein digitale, notariatsfreie Gründung (soweit bundesrechtlich zulässig), die automatische Steuernummer-Erteilung und die Gewerbeanmeldung in einem Portal bündelt.
- Berliner EU Inc-Servicezentrum: Einrichtung einer zentralen, beratenden Anlaufstelle für Gründer bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft aus bestehendem Budget und durch Personalumschichtung.
- Optimale Rahmenbedingungen für eine digitale Tech-Börse: Positionierung Berlins als idealer Standort für eine privatwirtschaftliche, rein digitale europäische Technologie-Börsenplattform durch Gewährleistung exzellenter digitaler Infrastruktur (Glasfaser, modernste Rechenzentren) und Beschleunigung der Verfahren bei der landeseigenen Börsenaufsicht.
- Initiative „Berlin Digital Exchange“: Unterstützung der Berliner Startup-Szene und internationaler Investoren bei der Gründung einer privatwirtschaftlichen Konsortialbörse durch Vernetzung (z.B. über einen „Founder Summit“), jedoch ohne finanzielle Beteiligung oder Risikoübernahme durch das Land.
- Bürokratieabbau für digitale Geschäftsmodelle: Start einer Bundesratsinitiative zur Reform der Gewerbeordnung, mit dem Ziel, die Gewerbeanmeldepflicht für rein digitale Geschäftsmodelle ohne physische Betriebsstätte abzuschaffen.
- Universitätsautonomie und private Finanzierung stärken: Volle Autonomie der Berliner Universitäten bei der Einrichtung spezialisierter Studiengänge (z.B. „Digital Capital Markets“); Erlaubnis zur Erhebung privater Studiengebühren für diese spezialisierten Master-Programme sowie Abschaffung der staatlichen Kapazitätsverordnung.
- Finanzbildungsoffensive an Schulen: Verpflichtende Einführung praxisnaher Finanz- und Wirtschaftsbildung ab Klasse 9 mit Fokus auf Aktienmärkte und Unternehmertum; Ermöglichung von privat gesponserten Pilotprojekten („Schüler-Depots“).
- Steueranreize für das Tech-Ökosystem: Auslotung von Spielräumen bei der Grunderwerbsteuer zur Begünstigung von Investitionen in Gewerbeimmobilien, die nachweislich langfristig an innovative Startups und EU Incs vermietet werden.
- Berliner Börsen-Versprechen: Der Senat gibt ein öffentliches Effizienzversprechen ab, behördliche Prozesse für innovative Unternehmen (Gewerbe, lokale Registerverfahren) innerhalb von maximal 48 Stunden abzuwickeln.